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Zur Geschichte der SPD in Ober-Roden 1890 bis 1918

Leider sind von diesem Verein keine besonderen Kennzeichen mehr vorhanden, aber als Grundstein für die sozialdemokratische Bewegung muss das Bestehen dieses Vereins festgehalten werden. Als äußeres Zeichen des Zusammenhaltens der damals klassenerkennenden Arbeiter darf der von Arbeitern gegründete Gesangverein Harmonia genannt werden, der unter dem Zeichen der roten Fahne marschiert. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass aufgrund der immer mehr beschäftigten männlichen Arbeiter in Offenbach und Frankfurt sich die Gründung einer gesetzlichen Hilfskrankenkasse notwendig machte. Auch diese Gründung war das Verdienst von Georg Mackert, deren Vorsitzender er bis zur Auflösung und Ablösung durch die Reichs-Versicherungs-Ordnung im Jahr 1906 war." Dass es in Ober-Roden zum Zeitpunkt des Erlasses des „Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" vom 21.10.1878 sozialdemokratische Vereine bzw. Einrichtungen gegeben hat, dafür spricht auch der Hinweis, dass der im Gemeindearchiv Ober-Roden vorhandene Erlass des „Großherzoglichen Kreisamtes Dieburg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises" vom 1.11.1878 den handschriftlichen Vermerk „12.11.78 erledigt" trägt. An anderer Stelle dieser Festschrift ist der im amtlichen Kreisblatt „Odenwälder Bote" vom 6.11.1878 veröffentlichte Erlass des Dieburger Kreisassessors Schönfeld in Reproduktion wiedergegeben.

Ereignisse 1890

Die Gründung des Wahlvereins von Ober-Roden fiel in eine bewegte politische Zeit. Zum Jahreswechsel beunruhigte der „Elberfelder Sozialistenprozess" die Öffentlichkeit. Im Februar besiegte der Sozialdemokrat Ulrich in der Stichwahl den Nationalliberalen Böhm und holte den Wahlkreis Offenbach-Dieburg für die Sozialdemokraten zurück; im Reich verdreifachten sich die sozialdemokratischen Sitze (1887: 11, 1890: 35 sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete). Im März legte die Internationale Arbeiterschutzkonferenz ihre Empfehlungen vor, um den schlimmsten Auswüchsen der Arbeiter-Ausbeutung, insbesondere der arbeitender Kinder, Jugendlicher und Frauen, entgegenzutreten. Im gleichen Monat kam es zur spektakulären Entlassung Bismarcks als Reichskanzler durch Wilhelm II. Im April wurde im Großherzogtum Hessen ein Gesetzentwurf zum Ausbau der Eisenbahnen vorgelegt, der auch die Einrichtung der Nebenstrecke Ober-Roden-Dreieichenhain vorsah. Gemäß Beschluss des internationalen Sozialistenkongresses 1889 in Paris sollte erstmals der 1. Mai 1890 als Demonstrationstag der internationalen Solidarität der Arbeiterschaft begangen werden. Fünfeinhalb Monate nach Gründung des hiesigen „Wahlvereins" fällt am 30.9.1890 das „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie". Der „Wahlverein für volksthümliche Wahlen" von Ober-Roden nennt sich fortan „Sozialdemokratischer Wahlverein".

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