
Von der Mitgliederversammlung des Wahlvereins am 11.12.1898 ist der folgende Beitrag des Vorsitzenden Joseph Weber V. aufgezeichnet: „Nach 25-jährigem Kampfe ist es doch einmal der Arbeiterschaft gelungen, einige Vertreter in den Gemeinderat zu bringen. Vor 6 Jahren konnte man aufgrund des Wahlprogramms unserer Klasse 3 Sitze im Gemeinderat einräumen. Es sei aber von allen Seiten der Arbeiterschaft Ober-Rodens schon das Verlangen gestellt worden, einmal von der Tätigkeit der Gemeinderatsmitglieder unterrichtet zu sein... um einmal Rücksprache zu nehmen, wie dieselben sich zu den gegenwärtigen Situationen stellen, nämlich dem allseitigen Verlangen, die Sitzung des Gemeinderats öffentlich tagen zu lassen ... Er führte unter anderem an, wie sich nur die 3 Vertreter dazu herbeiließen, diese horrende Summe von 50-tausend Mark zum Kirchenbau zu bewilligen... Und wenn man doch soviel Geld hat, um dem lieben Gott ein Haus zu bauen, so muß auch Geld herbeigeschafft werden, um den armen Arbeitern, die hier in den schlechtesten Wohnungen leben müssen und einen hohen Mieth aufbringen müssen, Arbeiterwohnungen zu bauen. Und er stellte im Interesse der hiesigen Arbeiterschaft den Antrag, die Gemeinderäte aufzufordern, dort im Gemeinderat den Antrag auf Erbauung von Arbeiterwohnhäusern zu stellen. Wenn kein Geld vorhanden sei, so solle man sich nur an die Alters-Invaliden-Versicherung wenden, welche bereitwillig zu solchen Zwecken die Anleihen bietet. Was den Antrag auf die Öffentlichkeit der Sitzungen anbelangt, so sollte man darauf bedacht sein, daß bei Erbauung eines uns bevorstehenden neuen Schulhauses gleich ein Saal errichtet wird, in welchem die Sitzungen stattfinden könnten. Desgleichen besprach er in längeren den Gemeindebrunnen an der Schule sowie die schlechte Einrichtung des Schulbaues selbst... Für den Brunnen ohne Wasser hätte man 3 mit Wasser erhalten, das heißt, wenn man damals es besser verstanden hätte oder verstehen wollen. Gemeinderatsmitglied (Franz) Berker erklärt sich mit den Anforderungen von Seiten der Wähler einverstanden, desgleich Wilhelm Weber und (Johann) Hitzel, welche jedoch alle 3 bedauern, daß manchmal Dinge in der Gemeindeverwaltung gemacht würden, wo sie gar nicht informiert sind..."
Am 16. Juni 1898 fand eine Reichstagswahl statt, bei der Carl Ulrich gleich im ersten Wahlgang mit mehr Stimmen gewählt worden ist, als seine Mitkandidaten vom Centrum, der Nationalliberalen und der Antisemitischen Partei zusammen erhalten haben. Für einen Ober-Röder hatten die Wahlauseinandersetzungen weniger angenehme Folgen.
Der „Odenwälder Bote" vom 30. Juli 1898 berichtet: „ORo. Gelegentlich der letzten Reichstagswahl hatte der Sozialdemokrat Franz Neuhäusel dahier eine Centrumsveranstaltung in gröblichster Weise zu stören versucht und sich dabei in rohen Redensarten gegen die Geistlichkeit ergangen. Vom Schöffengericht zu Langen wurde Neuhäusel nunmehr wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt zu 2 Monaten, wegen Hausfriedensbruchs zu 7 Wochen Gefängnis verurtheilt."

Das Protokoll der Mitgliederversammlung vom 11.4.1908 führt u. a. aus: „Der Vorsitzende Hornung eröffnete die Versammlung um 9.30 Uhr ... Genosse Weber erstattete sodann Bericht vom Gemeinderat über unsere beiden Anträge: Plakattafeln und Lehrmittel der Schulkinder. Der Antrag, Plakattafeln anzubringen, ist im Gemeinderat angenommen. Die Lehrmittel der Schulkinder zum Selbstkostenpreis wurden auch angenommen, und zwar vom Jahre 1909 an. Die Versammlung erklärt sich mit dem Bericht befriedigt ... Zu Punkt Maifeier stellte der Vorstand den Antrag, dieselbe wie alljährlich zu begehen. Dieser Antrag wurde abgelehnt und ein Antrag von G. Rink und Merget, ein Demonstrationszug zu halten, wurde mit großer Majorität angenommen. Hierzu soll mit den uns nahestehenden Vereinen eine kombinierte Sitzung mit je einem Mitglied abgehalten werden. Die Versammlung spricht sich noch gegen das Verhalten der Hauptvorstände beider Organisationen aus, nämlich daß die Kosten der gemaßregelten Arbeiter am 1. Mai die Lokalorganisationen tragen..."