
Aus dem Protokoll der Mitgliederversammlung am 21.1.1912 „Der Vorsitzende Hornung eröffnete die Versammlung um 1 3/4 Uhr im Gasthaus „Zum Engel". Auf der Tagesordnung standen folgende Punkte:
Jahresbericht gab Genosse Hornung, woran sich eine lebhafte Diskussion knüpfte. Die Versammlung war mit der Tätigkeit des Vorstandes einverstanden. Es fanden nämlich statt: 9 Mitgliederversammlungen — der durchschnittliche Besuch der Versammlungen betrug 51 Mitglieder —, 7 öffentliche Versammlungen, 6 Wähler- und 1 Frauenversammlung, 20 Vorstandssitzungen. Verbreitet wurden 2.700 Flugblätter, 550 Broschüren und verkauft wurden 45 Neue Weltkalender. Der Stand der Parteipressen betrug „Offenbacher Abendblatt" 151, „Volksstimme" 2, „Vorwärts" 1, „Gleichheit" 14, „Wahrer Jacob" 18. Als Punkt II gab Genosse J. L. Hörner die Jahresabrechnung, woran sich einige Anfragen richteten, sonst aber von der Versammlung gutgeheißen wurde ... Das Ergebnis der Vorstandswahl war als 1. Vorsitzender Johann Baptist Hornung, als 2. Vorsitzender Franz Erter, als Kassier J(ohann) L(eopold) Hörner, als Schriftführer Philipp Krickser, als Beisitzer Adam Schrod XIII. und Franz Rebell. Als IV. Punkt Reichstagswahl gab der Vorsitzende Genosse Hornung Bericht. Als V. Punkt Verschiedenes gab der Vorsitzende bekannt, daß wahrscheins in allernächster Zeit eine Bürgerversammlung stattfindet, wo über die jetzigen Bahnhofverhältnisse gesprochen werden soll, wozu die beiden Vertreter Ulrich und Übel dazu eingeladen werden sollen ... Schluß der Versammlung 3 1/2 Uhr. Philipp Krickser, Schriftführer."
Zwischen dem 16.5.1914 und dem 11.7.1920 klafft in den Aufzeichnungen der SPD Ober-Roden eine Lücke. Am 16.5.1914 sprach im Mainzer Hof nochmals Ludwig Rink aus Urberach über die „Notwendigkeit der politischen Organisation". Es wurde ein neuer Vorstand gewählt, mit Philipp Mieth I. an der Spitze, Adam Schrod XIII. als Stellvertreter, Johann Hörner als Kassierer, dem Schriftführer Adam Euler sowie als Beisitzer Philipp Schrod und Philipp Marder. Aber eine Versammlung oder Sitzung ist danach nicht mehr verzeichnet. Sechs Wochen danach ist in Europa Krieg. Hornung schreibt in seiner „Geschichte der Arbeiterbewegung von Ober-Roden": „Es kam der Weltkrieg 1914/18. Bis zu dieser Zeit war der Arbeitergesangverein das hauptsächlichste Bindeglied der Arbeiterbewegung am Orte, wurde am meisten bekämpft und hatte dementsprechend die meisten Opfer zu bringen. Die Tätigkeit des Vereins wurde brachgelegt, indem fast alle Soldaten wurden. Folgende Sangesgenossen starben im Felde: Adam Euler, Johann Kummerant, Heinrich Gotta, Franz Beck und Christian Schleinkofer. Beck, Franz wurde von Pfarrer Gallei sogar das Sterbegeläute versagt. Ehre ihrem Andenken!"