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Zur Geschichte der SPD in Urberach von 1896 bis 1986

Sie wählten bei Reichstagswahlen seit 1877 im ersten Wahlgang zwar stets den katholischen Kandidaten, im zweiten Wahlgang konnte aber Wilhelm Liebknecht den größeren Teil der Stimmen für sich verbuchen. Auch Carl Ulrich, dem Nachfolger Liebknechts als Wahlkreis-Kandidat, gelang dies ab 1890. Ludwig Rink berichtete in einem Rückblick, dass sogar der Geistliche am Ort von der Kanzel zur Wahl von Liebknecht aufgerufen hätte. Urberach, 1874 noch landwirtschaftlich orientiert, mit einem starken Anteil von Handwerksberufen, insbesondere Häfner, wandelte sich in den folgenden zwanzig Jahren zu einer Gemeinde, in der jeder 5. Wahlberechtigte seinen Unterhalt als Fabrikarbeiter verdiente. Die Fabrikarbeiter brachten von ihren Arbeitsplätzen und aus den Arbeiter-Bildungsvereinen die Gedanken an eine sozialistische Veränderung ihrer Verhältnisse mit auf das Dorf. Am 6. September 1896 sprach im Gasthaus "Zur Sonne" der spätere bayrische Landtags- und Reichstags-Abgeordnete, der Schuhmacher Josef Simon aus Offenbach. Das Offenbacher Abendblatt berichtet: "... Er forderte die Anwesenden auf, auch hier einen Arbeiter-Verein zu gründen, um ein Glied in der Kette der Arbeiterbewegung zu bilden ... Eine in diesem Sinne vorgeschlagene Resolution wurde einstimmig angenommen ... Nach Schluß der Versammlung ließen sich sofort circa 50 Genossen in die Liste zur Gründung des Vereins einzeichnen. Derselbe will nächsten Sonntag seine erste Versammlung abhalten und die Vorstandswahl vornehmen. Möge er blühen und gedeihen und unsere gerechte Sache in jeder Beziehung in unserem Orte vertreten. M. W." Von den bekannten Gründungs-Mitgliedern waren 20 Fabrikarbeiter, zwei Handwerker und einer Landwirt. Erster Vorsitzender wurde Karl Georg Rink, treibende Kraft der weiteren Entwicklung des Vereins und später Sekretär der Kreisorganisation. Die Gründung des Ortsvereins führte zu Streit in der Einwohnerschaft. So wurden Wirte, die das Offenbacher Abendblatt an Kirchweih (damals im Oktober) auslegten, bedroht.

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