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1915-1918: Spaltung der Partei und Neuaufbau nach dem Kriegsende

Neuaufbau nach Kriegsende

Anfang 1918 hatte die SPD in Urberach gerade noch 26 Mitglieder, andere Ortsvereine im Wahlkreis hatten ganz aufgehört zu bestehen. Angesichts der Versorgungs-Schwierigkeiten, unter denen besonders die litten, die nicht über eigene Nahrungsmittel-Produktion verfügten, lag das Hauptgewicht kommunalpolitischer Aktivitäten in der Versorgung mit Kartoffeln und Brot. Diese seit 1916 immer drängender werdende Aufgabe beherrschte die Gemeinderats-Sitzungen der folgenden Jahre. Die Abdankung des Kaisers, das Kriegsende, die Revolution und die Ausrufung der Republik am 9. November 1918 führten nicht zu Auseinandersetzungen in unserem Bereich. Es war wohl eher ein Hineingleiten in die Republik. Auf Antrag von Adam Lang beschloss der Gemeinderat: "Die Errungenschaften der Revolution erkennt der Gemeinderat an und verpflichtet sich, im Rahmen dieser weiterzuarbeiten". Urberachs durch die Spaltung dezimierte Partei machte sich an den Neuanfang. Im Februar 1919 wählte sie einen neuen Vorstand. Vorsitzender wurde Adam Wolfenstädter, sein Stellvertreter Balthasar Löbig, Kassierer Mathäus Frank, Schriftführer Michael Frank, Beisitzer Adam Lang, Georg Sturm, Adam Nostadt, Karl Deller und Martin Lötz. Die Mitgliederzahl war wieder auf 51 gestiegen. Während zu Beginn des Jahres 1919 vielerorts Räte-Republiken entstanden, löste sich der Volksrat für die Republik Hessen am 30. Januar selbst auf. Er vereinbarte mit der Staatsregierung, dass die bestehenden örtlichen Volksräte bis zur demokratischen Neugestaltung der kommunalen Körperschaften weiterbestehen sollten. Der Arbeiter- und Bauernrat, der in Urberach bestand, löste sich allerdings schon vor der Kommunalwahl auf, da er "nicht allzuviel bewegen konnte". Der Gemeinderat tagte weiter. Er hatte zwei Hauptprobleme zu bewältigen: Zum einen die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, und zum zweiten, Maßnahmen gegen die große Wohnungsnot zu treffen. Der Bau eines Gemeindehauses und von Arbeiterwohnungen durch die Sparkasse mit Hilfe der Gemeinde waren die Folge. Über die Versorgung mit Lebensmitteln kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Bauernschaft. Sie wurden erst beendet durch eine Vereinbarung der Hessischen Regierung mit den Bauernverbänden, die die Bauern verpflichtete, von jedem Morgen Kartoffelland 10 Zentner Kartoffeln an die Gemeinden zu verkaufen. Diese Vereinbarung wurde aber nicht immer eingehalten. Auch für die Versorgung mit Brot hatte die Gemeinde Vorsorge zu treffen, indem sie frühzeitig mit Händlern über die Lieferung von Mehl verhandelte. Durch die noch praktizierte Zwangswirtschaft in Folge des Krieges wurde das Mehl oft durch Zusatz von Hafermehl oder Ähnlichem gestreckt. Beschwerden über mangelnde Brotqualität waren an der Tagesordnung. Auch über die Zuteilung von Lebensmitteln an Kranke und Alte kam es im Gemeinderat des öfteren zu heftigen Polemiken. Am meisten unter der schlechten Ernährung hatten neben Alten und Kranken die Kinder zu leiden. Von 419 Schulkindern in Urberach waren 1921 bei einer Untersuchung 208 krank. Unterernährung, Rachitis und Tuberkulose waren die häufigsten Ursachen. Mit kostenlosem Schulfrühstück, einer alten Forderung der Sozialdemokraten, wollte man gegensteuern. Mit einer weiteren Forderung nach einem Walderholungsheim für Kinder konnten sich die Sozialdemokraten allerdings nicht durchsetzen.

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