
Der 1. Weltkrieg mit Belagerungszustand und Pressezensur brachte die Diskussion und Meinungsbildung innerhalb der Partei auf Wahlkreisebene fast völlig zum Erliegen. Viele Ortsvereine stellten ihre Arbeit ein oder mussten sie einstellen, weil alle Mitglieder im Krieg waren. Die Mitgliederzahl des Ortsvereins sank bis zum Ende des Jahres 1915 auf 36. Der langjährige Vorsitzende Ludwig Rink musste mit vielen anderen in den Krieg und konnte sich daher im Ortsverein nicht mehr engagieren. Sein Nachfolger wurde Adam Nostadt, 2. Vorsitzender wurde Reinhard Jans, Kassierer blieb Adam Wolfenstädter. Die Partei bildete zusammen mit der Metallarbeiter-Gewerkschaft am Ort eine Organisation. Die Gemeinderatsarbeit war ab Kriegsbeginn immer stärker durch die Lebensmittel-Versorgung bestimmt, die für alle nicht bäuerlichen Einwohner immer prekärer wurde. Im Gemeinderat hatte die Partei ihre Mehrheit verloren. Ob dies durch die Gemeinderats-Wahlen von 1913, durch das Einrücken von Gemeinderäten oder durch Parteiaustritte erfolgte, lässt sich nicht feststellen. Zur ersten Wahlkreiskonferenz im Krieg am 2. Mai 1916 in Dieburg waren gerade noch 5 Ortsvereine aus dem Kreis Dieburg vertreten. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich schon die SPD-Reichstagsfraktion gespalten, der im Laufe des Jahres auch die Spaltung der Partei folgte. Auch Urberachs SPD war stark betroffen. Im Juli 1915 schrieb Ludwig Rink in einem "Brief aus dem Felde", dass sie das Recht als Sozialisten hätten, ihr Vaterland zu verteidigen. Auch eine Mitgliederversammlung am 6. Januar 1916 setzte sich mit den "Abweichlern" in der Reichstagsfraktion auseinander. Sie protestierte gegen die "zersetzenden, ungehobelten Parteispaltungs-Probleme des Genossen Rühle" (er war der erste, der mit Karl Liebknecht zusammen Kriegskredite im Reichstag ablehnte), da gerade jetzt und nach dem Kriege Einheit und Geschlossenheit notwendiger denn je sei. Am 1. April 1917, wenige Tage vor Gründung der USPD, versammelten sich die Delegierten des Wahlkreises in Offenbach zu ihrer zweiten Konferenz nach Kriegsbeginn. Einziges Thema: die Parteispaltung. Zwölf Redner sprachen zu Kriegspolitik, Landes- Verteidigung und Kredit-Bewilligung, vor allem aber zur Frage der Parteidisziplin. Die war für die Sozialdemokraten nicht nur eine formale Frage, sondern berührte wesentliche Elemente sozialdemokratischen Selbstverständnisses. Eine Resolution, die Disziplin forderte und der Opposition in der Partei den Ausschluss ankündigte, wurde beschlossen. Für erledigt erklärt wurde ein Antrag aus Mühlheim, Einigungs-Verhandlungen einzuleiten. Damit war im Kreis die Spaltung besiegelt. Am gleichen Tage noch traf sich die Partei-Opposition zur Gründung einer Gegen-Organisation im Wahlkreis.
Jetzt begann der Kampf in den Ortsvereinen, welcher Organisation man sich anschließen solle. Die Urberacher beschäftigten sich damit am 6. Mai 1917. Adam Lang berichtete von der Kreiskonferenz und appelierte an die Versammlung, die Geschlossenheit der Partei zu wahren. Anschließend ergriff Ludwig Rink das Wort und erklärte, dass er die Beschlüsse der Kreiskonderenz nicht billigen könnte. Er sei lange der Ansicht gewesen, daß die Partei einig bleiben müsse. Heute sei die Spaltung eine Notwendigkeit geworden. Die Parteimehrheit ginge zu weit nach rechts. Es sei wichtig, ... einen linken Flügel zu bilden. Er forderte am Schluss eine Beitragssperre gegen den Parteivorstand. Lang erwiderte, dass man es dem Genossen Rink nachfühlen könne, wenn er, der den Krieg bis jetzt mit seinen ganzen Begleit-Erscheinungen durchkosten musste, nun extreme Ansichten propagiere. Lang besprach eingehend alle von Rink aufgeworfenen Thesen und verurteilte die Beitragssperre, da man mit der Beitragssperre die Partei zu Grabe trage. Die Presse berichtete, dass die Urberacher Genossen von der angeregten Beitragssperre nichts wissen wollten. Auch der Genosse Rink revidierte, nach Presseberichten zu urteilen, seine Anschauungen in diese Richtung. In Urberach wurde die Notwendigkeit der Partei-Geschlossenheit anerkannt. Man beschloss, dass jeder Genosse weiter im Rahmen der Partei seine Anschauungen propagieren könne. Gründungen von Sonder-Organisationen seien aber unmöglich und bedingen den Ausschluss aus der Partei. Die Einigkeit, die diese Berichterstattung erwarten ließ, währte nicht lange. Mindestens ab Januar 1919 gab es in Urberach eine starke Gruppe der USPD, die bei den Wahlen die Mehrheits-Sozialdemokraten sogar übertraf.

Anfang 1918 hatte die SPD in Urberach gerade noch 26 Mitglieder, andere Ortsvereine im Wahlkreis hatten ganz aufgehört zu bestehen. Angesichts der Versorgungs-Schwierigkeiten, unter denen besonders die litten, die nicht über eigene Nahrungsmittel-Produktion verfügten, lag das Hauptgewicht kommunalpolitischer Aktivitäten in der Versorgung mit Kartoffeln und Brot. Diese seit 1916 immer drängender werdende Aufgabe beherrschte die Gemeinderats-Sitzungen der folgenden Jahre. Die Abdankung des Kaisers, das Kriegsende, die Revolution und die Ausrufung der Republik am 9. November 1918 führten nicht zu Auseinandersetzungen in unserem Bereich. Es war wohl eher ein Hineingleiten in die Republik. Auf Antrag von Adam Lang beschloss der Gemeinderat: "Die Errungenschaften der Revolution erkennt der Gemeinderat an und verpflichtet sich, im Rahmen dieser weiterzuarbeiten". Urberachs durch die Spaltung dezimierte Partei machte sich an den Neuanfang. Im Februar 1919 wählte sie einen neuen Vorstand. Vorsitzender wurde Adam Wolfenstädter, sein Stellvertreter Balthasar Löbig, Kassierer Mathäus Frank, Schriftführer Michael Frank, Beisitzer Adam Lang, Georg Sturm, Adam Nostadt, Karl Deller und Martin Lötz. Die Mitgliederzahl war wieder auf 51 gestiegen. Während zu Beginn des Jahres 1919 vielerorts Räte-Republiken entstanden, löste sich der Volksrat für die Republik Hessen am 30. Januar selbst auf. Er vereinbarte mit der Staatsregierung, dass die bestehenden örtlichen Volksräte bis zur demokratischen Neugestaltung der kommunalen Körperschaften weiterbestehen sollten. Der Arbeiter- und Bauernrat, der in Urberach bestand, löste sich allerdings schon vor der Kommunalwahl auf, da er "nicht allzuviel bewegen konnte". Der Gemeinderat tagte weiter. Er hatte zwei Hauptprobleme zu bewältigen: Zum einen die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, und zum zweiten, Maßnahmen gegen die große Wohnungsnot zu treffen. Der Bau eines Gemeindehauses und von Arbeiterwohnungen durch die Sparkasse mit Hilfe der Gemeinde waren die Folge. Über die Versorgung mit Lebensmitteln kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Bauernschaft. Sie wurden erst beendet durch eine Vereinbarung der Hessischen Regierung mit den Bauernverbänden, die die Bauern verpflichtete, von jedem Morgen Kartoffelland 10 Zentner Kartoffeln an die Gemeinden zu verkaufen. Diese Vereinbarung wurde aber nicht immer eingehalten. Auch für die Versorgung mit Brot hatte die Gemeinde Vorsorge zu treffen, indem sie frühzeitig mit Händlern über die Lieferung von Mehl verhandelte. Durch die noch praktizierte Zwangswirtschaft in Folge des Krieges wurde das Mehl oft durch Zusatz von Hafermehl oder Ähnlichem gestreckt. Beschwerden über mangelnde Brotqualität waren an der Tagesordnung. Auch über die Zuteilung von Lebensmitteln an Kranke und Alte kam es im Gemeinderat des öfteren zu heftigen Polemiken. Am meisten unter der schlechten Ernährung hatten neben Alten und Kranken die Kinder zu leiden. Von 419 Schulkindern in Urberach waren 1921 bei einer Untersuchung 208 krank. Unterernährung, Rachitis und Tuberkulose waren die häufigsten Ursachen. Mit kostenlosem Schulfrühstück, einer alten Forderung der Sozialdemokraten, wollte man gegensteuern. Mit einer weiteren Forderung nach einem Walderholungsheim für Kinder konnten sich die Sozialdemokraten allerdings nicht durchsetzen.