
Die Neuorganisation des politischen Lebens nach der Revolution begann 1919 auf allen Ebenen. Die Urberacher mussten in diesem Jahr sechs mal zur Wahlurne gehen. Den Anfang machten die Wahlen zur Nationalversammlung am 10. Januar 1919, also gerade zwei Monate nach Ausrufung der Republik. Zum ersten mal durften auch Frauen wählen. Wahlberechtigt waren nun auch alle Zwanzigjährigen. In Urberach standen dem katholischen Zentrum diesmal zwei sozialistische Parteien gegenüber. Die Mehrheits-Sozialdemokraten waren von beiden noch die stärkeren. Am 26. Januar folgten die Wahlen zur verfassungsgebenden Volkskammer Hessen. Zum ersten mal waren die sozialistischen Parteien gemeinsam stärker als das Zentrum. In der Hessischen Volkskammer hatte die SPD knapp die absolute Mehrheit verpasst. Einer der 31 SPD-Abgeordneten von 70 war der Urberacher Sozialdemokrat Adam Lang. Auch zu den Kommunalwahlen im Juni und Juli traten zwei "rote" Parteien an. Die zunehmende Radikalisierung der Arbeiterschaft und/oder das hohe Ansehen der örtlichen USP-Führer ließen die USP bei den Gemeinderats-Wahlen zur zweitstärksten Kraft in Urberach werden. Das neue Verhältnis-Wahlrecht ergab sechs Sitze für das Zentrum und je drei für USP und MSPD. Für die USP wurden gewählt: Ludwig Rink, Michael Peter Seib, Karl Reinhard Jans; für die MSPD: Karl Deller, Johann Heinrich Groh, Peter Groh 12. Da Groh verzichtete, rückte Wolfenstädter nach. Da sowohl Bürgermeister als auch Beigeordneter Stimmrecht im Gemeinderat hatten, mussten die folgenden Bürgermeister- und Beigeordneten-Wahlen die Entscheidung über die Mehrheits-Verhältnisse im künftigen Gemeinderat bringen. Die Bürgermeister-Wahl am 22.6.1919 gewann der Zentrums-Kandidat Adam Wagner, der schon 1911 für dieses Amt kandidiert hatte. Er erhielt 655 Stimmen. Der bisherige Amtsinhaber, Georg Neidhardt wurde von der MSPD unterstützt und erhielt 239 Stimmen, der USP-Kandidat, Martin Lötz, 282 Stimmen. Die Beigeordneten-Wahl am 6. Juli gewann der bisherige Beigeordnete Valentin Reiß II. sicher gegen Mathäus Spamer. Bei einer niedrigen Wahlbeteiligung bei den Kreistags-Wahlen am 24. 8. 1919 wurde das Zentrum stärkste Partei, beide sozialistischen Parteien aber hatten eine Mehrheit. Diesmal lag die USP deutlich vor der MSPD. Ludwig Rink zog, wie 1914, in den Kreistag ein, diesmal für die USP. Damit war die Serie von Wahlen 1919 beendet. Die Sozialdemokraten in Urberach hatten schwere Niederlagen einstecken müssen. Aber auch die Arbeiterbewegung insgesamt hatte verloren. Es war nicht gelungen, die Zentrums-Mehrheit im Ort zu verhindern. Die Spaltung der Arbeiterbewegung hatte sich vertieft, doch die Gräben sollten noch weiter aufgerissen werden.
Die revolutionären Ereignisse im Reich Anfang 1920 bewegten auch die Mitgliedschaft in Urberach. Die Hoffnung vieler Arbeiter auf eine starke Interessenvertretung durch Sicherung der Rechte der entstandenen Arbeiter- und Soldatenräte erfüllte sich nicht. Das neue Betriebsräte-Gesetz verpflichtete die Räte auf die "Erfüllung des Betriebszweckes". Eine revolutionäre Umgestaltung der Wirtschaft war damit nicht mehr möglich. Deshalb demonstrierten am 13. Januar 1920 viele Arbeiter vor dem Reichstagsgebäude. Die Sicherheits-Polizei schoß in die Menge: 42 Tote, 105 Verletzte. Dies führte zu einer weiteren Radikalisierung der Arbeiterschaft. Den Mehrheits-Sozialdemokraten in der Regierung lastete man die Toten an. Das Offenbacher Abendblatt berichtet über eine Mitgliederversammlung in Urberach: "Die Genossen Sturm, Schwarzkopf, Lötz, Frank und Örter und andere Genossen erklärten mit Nachdruck, dass es so in der Partei nicht weitergehen könne. Sie verurteilten scharf das laxe Verhalten der Reichsregierung, indem diese die Erschießung von Arbeitern nicht verhindere, während die Rädelsführer des Berliner Putsches (gemeint ist der Kapp-Putsch) in alter reaktionärer Weise ungehindert ihr Unwesen weitertreiben. Viele Genossen erklärten offen, daß sie solchen Führern keine Gefolgschaft mehr leisten könnten. Nur dem besonnenen Auftreten der Genossen Lang, Karp und Wolfenstädter ist es zu verdanken, dass der größte Teil der Genossen nicht seinen Austritt erklärte". Nach Kapp-Putsch und Arbeiter-Aufständen in Ruhrgebiet und Thüringen fand am 6. Juni 1920 die erste Reichstagswahl nach Kriegsende statt. Sie bringt im Reich eine Zunahme der USP auf der Linken und der DNVP und DVP auf der Rechten. Die "Weimarer Koalition" büßte große Stimmanteile ein. In Urberach wird die USP stärkste Linkspartei. Die SPD büßt nicht nur Wählerstimmen ein. Auch die Mitgliederzahl war weit von dem entfernt, was vor dem Weltkrieg erreicht worden war. Sie schwankte 1920 um die 50 Mitglieder. Kommunalpolitik blieb Grundpfeiler der SPD-Aktivitäten.Die Sicherung elementarer Lebensbedürfnisse war für viele Wähler und Mitglieder der SPD die wichtigste Frage, sei es die Beschaffung von Wohnraum, (bis 1925 richtete die Gemeinde Urberach 60 Wohnungen ein) oder die Sorge für die Erwerbslosen: Immer waren die Sozialdemokraten diejenigen, die drängten.

Die Wahlen zum hessischen Landtag 1921 brachten der SPD herbe Verluste gegenüber den Wahlen zur Volkskammer 1919. Sie verlor 7 ihrer 31 Mandate. Für zwei Urberacher bedeutete der Ausgang der Wahl, dass sie in den Landtag einzogen. Adam Lang war auf Platz zehn der Landesliste der SPD plaziert, und Ludwig Rink rückte als Listenführer der KPD in den Landtag ein. Ludwig Rink war mit seinen Anhängern Ende 1920 zur KPD gegangen, die er aber 1922 wieder verließ. Es ist wohl auf seinen Einfluss zurückzuführen, daß die KPD bei den Landtagswahlen am 27. Nov. 1921 in Urberach die stärkste Arbeiterpartei wurde. Die Spaltung der Arbeiterbewegung in Urberach konnte 1922 überwunden werden. Schlichtungsinstanz wurde dabei die Freie Turn- und Sportvereinigung. Sie schuf mit der Einrichtung von Bildungsabenden die Möglichkeit, dass die verfeindeten Brüder sich zumindest wieder zusammensetzten. Über verbundene Listen zur Kommunalwahl 1922 führte der Weg dann zur Auflösung der KPD Anfang des Jahres 1923. Die Vereinigung war umso leichter, als die SPD am Ort z. B. bei Koalitionsfragen im Reich sich für "linke" Koalitionen und gegen ein Zusammengehen mit bürgerlichen Parteien ausgesprochen hat.
Ende 1921 hatte sich die Partei von ihrem Mitglieder-Rückgang zum Teil wieder erholt. Die Mitgliederzahl war auf 83 angewachsen, bis 1926 stieg sie wieder auf 124. Die Gemeinderatswahlen am 19. November 1922 zeigten das Kräfteverhältnis der beiden Arbeiterparteien. Es entfielen auf die einzelnen Listen: Zentrum 462, VSPD 183, KPD 355. Für die VSPD zogen in den Gemeinderat: Adam Wolfenstädter und Mathäus Frank I., für die KPD Ludwig Rink, Karl Reinhard Jans, Wilhelm Rickert III., Michael Frank 7. Beide Parteien waren mit verbundenen Listen angetreten, es fehlten nur 2 Stimmen, um ein Sitzverhältnis von 7:5 zu ihren Gunsten zu erreichen. Bei den gleichzeitig stattfindenden Kreistagswahlen konnte Adam Wolfenstädter über die Liste der VSPD in den Kreistag einziehen.
1923 wurde eine neue Organisations-Struktur geschaffen. Die Orte Nieder-Roden, Ober-Roden, Urberach und Eppertshausen wurden zu einem Unterbezirk Ober-Roden zusammengefasst. Erster Vorsitzender wurde Karl Müller aus Ober Roden. Die Unterbezirke übernahmen jetzt mehr und mehr die Aufgabe der politischen Agitation, der Bildung der Funktionäre und der Organisation politischer Arbeit im allgemeinen. Sie führten anschließend an die vierzehntäglichen Unterbezirks-Konferenzen in den einzelnen Orten Werbe-Veranstaltungen durch.
Die Reichstags-Wahlen im Mai 1924 fanden in einer gespannten politischen Atmosphäre statt. In dieser unruhigen Zeit erzielten die radikalen Parteien immense Gewinne. Die großen Verlierer waren die Sozialdemokraten, die von 186 Reichstagsmandaten 100 einbüßten. In einer relativ "ruhigen" Zeit, im Dezember 1924, wurde neu gewählt. Die Sozialdemokraten gewinnen 31 neue Mandate hinzu, während die Radikalen starke Verluste hinnehmen müssen. In Urberach behauptet sich das Zentrum weiterhin stark, während die SPD einen Teil der Arbeiterstimmen nicht zurückgewinnen kann.
1925 werden neue Kommunal-Parlamente gewählt. Ebenso stehen die Wahlen des Bürgermeisters und des Beigeordneten an. Den Anfang macht im Juli die Bürgermeister-Wahl. Trotz heftiger Vorwürfe der Sozialdemokraten gegen den bisherigen Amtsinhaber Adam Wagner wird dieser wiedergewählt. Der langjährige Vorsitzende der SPD, Adam Wolfenstäder, hatte die Partei vor der Wahl verlassen und Adam Wagners Kandidatur unterstützt. Der Beigeordnete Valentin Reiß wird ohne Gegenkandidat bestätigt. Mit diesem Aufwind erreicht das Zentrum bei der Gemeinderats-Wahl am 15. November 1925 mit 7:5 das erste mal seit 1902 wieder eine Mehrheit. Für die Sozialdemokraten ziehen ins Parlament ein: Wilhelm Rickert, Karl Reinhard Jans, Ludwig Rink, Michael Frank 7., Adam Lang. Der neue Kreistag wählt 1926 Ludwig Rink in den Kreisausschuss.