
Während der Revolution wurden die Vermögen der Fürstenhäuser beschlagnahmt. Seit die wirtschaftlichen Verhältnisse sich stabilisiert hatten, erhoben die alten Dynastien Forderungen nach Entschädigung. Bei entsprechenden Gerichtsverfahren verhalfen monarchistisch gesinnte Richter den Herrscherhäusern fast immer zu ihren Ansprüchen. SPD und KPD versuchten mit Hilfe eines Volksentscheids 1926, eine entschädigungslose Enteignung durchzusetzen. Am 20. Juni nehmen 15,6 Millionen Wähler an dem Volksentscheid teil. 14,5 Millionen stimmen mit ja, also für die Enteignung. Doch dies war zu wenig, um die Enteignung Gesetz werden zu lassen. In Urberach fand die Enteignung mit fast 70 % der Stimmberechtigten eine deutliche Mehrheit.
Die Partei hatte sich in den Jahren nach der Währungsreform weiter konsolidiert. Zu Beginn des Jahres 1926 wurden die Unterbezirke Dieburg und Ober-Roden endgültig getrennt. Neuer Vorsitzender des Unterbezirks Ober-Roden wurde Ludwig Rink. Die Partei im Unterbezirk verstärkte ihre Agitation durch regelmäßige Versammlungen in den einzelnen Orten zusätzlich zu den monatlichen Mitgliederversammlungen durch Werbeveranstaltungen, die sich hauptsächlich an die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter wendeten. Die Partei trat mit Anträgen zu verschiedenen Parteitagen für folgende Positionen ein: Ausbau des Betriebsräte-Systems, um die Macht des Industriekapitals zu beschneiden, 40-Stundenwoche und Abbau von Überstunden, um die Arbeitslosigkeit zu beseitigen, Arbeitsbeschaffungs-Maßnahmen statt Erwerbslosenfürsorge. Dafür sollten den Gemeinden zinslose Darlehen zur Verfügung gestellt werden. Die Verbesserung der Lage der Erwerbslosen war auch in der Kommunalpolitik immer ein aktuelles Thema geblieben. Neben den direkten Geld- und Sachleistungen spielte die Frage nach der "produktiven Erwerbslosenhilfe" immer die größte Rolle. Zu diesem Zweck wurden in der Gemeinde zahlreiche Straßenbau-Vorhaben in Angriff genommen. Zeitweise waren fast 20% der Erwerbslosen des Kreises in solchen Arbeitsbeschaffungs-Maßnahmen beschäftigt.
Die SPD, im Gemeinderat seit 1925 in der Minderheit, konnte trotzdem einige ihrer Anliegen durchsetzen. Die Beschaffung von Notstands-Arbeiten, z. B. der Bau der Straße nach Messenhausen, ging auf Initiativen der Sozialdemokraten zurück. Lernmittelfreiheit und Schulspeisungen waren ebenfalls Anregungen der SPD-Fraktion. Während das Zentrum, so der Fraktionsvorsitzende Jans in einer Mitgliederversammlung, den Vorschlägen des Bürgermeisters immer zustimmte, waren es die Sozialdemokraten, die sich immer intensiv und kritisch mit den Vorlagen der Verwaltung beschäftigten. In der Schaffung neuen Wohnraums hätte man sich aber nicht durchsetzen können. Dass selbst die Zentrums-Wähler mit den Zuständen im Rathaus nicht einverstanden seien, zeigt die Teilnahme einer "Bürgerpartei" an den Gemeinderats-Wahlen. Die Sozialdemokraten, die "zur Linderung der sozialen Not Aufbauarbeit im besten Sinne des Wortes" geleistet hatten, waren siegessicher. Bei den Wahlen am 17. November konnte die SPD ihre fünf Sitze halten. Die Bürgerpartei schaffte auf Anhieb zwei Sitze im Gemeinderat. Das Zentrum verlor zwei Sitze. Für die Sozialdemokraten zogen in den Gemeinderat: Wilhelm Rickert, Karl Reinhard Jans, Ludwig Rink, Michael Frank VII. und Franz Sulzmann. Bei den Kreistags-Wahlen am selben Tag erreichten die Sozialdemokraten etwa das gleiche Ergebnis. Ludwig Rink blieb Kreisausschuss-Mitglied.
Nach dem Schwarzen Freitag an der New Yorker Börse im Oktober 1929 wurde die gesamte westliche Welt von einer Wirtschaftskrise bisher nicht gekannten Ausmaßes betroffen. Die Arbeitsloskeit schnellte in die Höhe. Das Los der Arbeitslosen zu mildern war eines der Hauptanliegen der Sozialdemokraten in der Folgezeit - im Reich durch die Erhaltung der Sozial-Gesetzgebung, in den Gemeinden durch produktive Erwerbslosen-Fürsorge und Ausbau der Geldleistungen für Ausgesteuerte, Rentner und Kriegsinvaliden. Durch Notverordnungen finanziell in Bedrängnis, waren die Gemeinden jedoch kaum noch in der Lage, der sozialen Not wirksam entgegen treten zu können. Als im Winter 1930 die Not zum ersten mal akut wurde, setzten die Sozialdemokraten im Hessischen Landtag ein Arbeitsbeschaffungs-Programm durch, das trotz der geringen wirtschaftlichen Stärke des Volksstaats Hessen immerhin 7500 Wohlfahrts-Empfängern ein halbes Jahr Arbeit gab. Auf Vorschlag Ludwig Rinks stellte der Kreis Dieburg den Gemeinden einen Zinszuschuß zur Aufnahme von Krediten zur Verfügung. Mit den Krediten sollten Arbeitsbeschaffungs-Maßnahmen finanziert werden. Bedingung für die Gemeinden war, dass sie ausschließlich Erwerbslose beschäftigen mussten, oder dass, wenn ein Auftrag an einen Unternehmer vergeben wurde, dieser außer den nötigen Facharbeitern ebenfalls ausschließlich Erwerbslose beschäftigte. Trotz dieser Maßnahmen waren im Winter 1931 321 Urberacher (von ca. 2500) auf Winterbeihilfe, eine Wohlfahrts-Unterstützung, angewiesen. Weil für viele das Einkommen zur Deckung des täglichen Bedarfs nicht mehr ausreichte, verhandelte die Erwerbslosen-Kommission zusammen mit den Gewerkschaften auch mit den hier ansässigen Geschäftsleuten, mit dem Ziel, eine Preissenkung bei Nahrungsmitteln zu erreichen. In einer Sitzung einigte man sich nach langem Hin und Her auf Preisabschläge bis zu 17 %. Die Geschäftsleute verpflichteten sich, weiterhin jede Preissenkung beim Einkauf an die Verbraucher weiterzugeben. Die Gemeinde, die die Höhe der Winterbeihilfe selbst festsetzen konnte, verlangte von den Empfängern, dass sie als Gegenleistung in der Gemeinde arbeiteten. In zum Teil hitzigen Auseinandersetzungen im Gemeinderat, bei denen auch die Zuschauer durch Zurufe in die Debatte eingriffen, setzte dies das Zentrum gegen die Sozialdemokraten durch. Da die Arbeitslosigkeit in den beiden folgenden Jahren noch weiter anstieg, stellte die Gemeinde Urberach 1931 für die Winter 75.000 Mark zur Beschäftigung von Arbeitslosen in den Haushalt ein. Weitere Notverordnungen kürzten die Unterstützungs-Sätze und verlängerten die Wartezeit für den Empfang von Arbeitslosen-Unterstützung. Daher konnte nur noch ein Teil der Ausgesteuerten durch die Gemeinde beschäftigt werden. 1932 wurden die Arbeitsbeschaffungs-Maßnahmen ganz eingestellt, da das Kreisamt der Gemeinde verbot, weiterhin Notstandsarbeiten auszuführen.