
Im März 1930 tritt die Regierung des sozialdemokratischen Reichskanzlers Müller zurück, weil sich die Koalitionäre nicht über die Finanzierung der Arbeitslosenversicherung einigen können. Das neue Kabinett Brüning legt einen Sanierungsplan für die Staatsfinanzen vor, der im Reichstag keine Mehrheit findet. Daraufhin wird der Reichstag aufgelöst und durch eine Notverordnung ein wesentlich radikaleres Sanierungsprogramm durchgesetzt. Am 14. September 1930 wird ein neuer Reichstag gewählt. In Urberach nimmt der Stimmanteil der SPD zur letzten Reichstagswahl zu, der der Kommunisten ab. Die Nationalsozialisten gewinnen bei einer stärkeren Wahlbeteiligung als 1928 105 (=7 %) Stimmen. Urberachs demokratisches Lager bleibt stabil. DNVP, NSDAP und KPD bringen im Reichstag sofort Misstrauensanträge gegen die Regierung Brüning ein, die diese nur übersteht, weil die Sozialdemokraten keine Alternative mehr sehen und in der Folge die Politik des Reichskanzlers Brüning tolerieren, auch wenn diese in vielen Punkten der Auffassung der Sozialdemokraten konträr gegenübersteht. Gegen die Extreme von links und rechts sehen die Sozialdemokraten ihre Aufgabe darin, "den Staat in seiner Verfassung zu halten und zu verbessern". Auch Ludwig Rink hatte sich um einen Platz im Reichstag beworben. Auf einer Kreiskonferenz kam es um die Kandidatur zu einer Stichwahl zwischen ihm und dem gebürtigen Ober Röder Wilhelm Weber, mit dem er schon vor 1914 des öfteren politische Kontroversen ausgetragen hatte. Das Ergebnis der Kreiskonferenz war bei Stimmengleichheit die Empfehlung, beide Vorschläge der Landeskonferenz vorzulegen. Dort setzte sich Wilhelm Weber dann durch. Die Tolerierungspolitik der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion gegenüber der Regierung Brüning fand in Urberach nicht immer ungeteilte Befürworter. Als im Reichstag neun Abgeordnete nicht mit der Fraktion, sondern gegen die Regierungsvorlage zum Wehretat stimmten, stellten sich die Urberacher öffentlich hinter diese "Abweichler".
Die Nationalsozialisten traten in Urberach erstmals im Dezember 1930 auf. Das Offenbacher Abendblatt berichtete: "Mehrfache Ankündigungen der Nazis wiesen hin, dass hier eine Ortsgruppe gegründet werden sollte. Am letzten Sonntag hat sich leider ein hiesiger Wirt gefunden, der diesen Volksbeglückern seinen Saal zur Verfügung stellte. Urberach, das fast ganz aus Republikanern zusammengesetzt, wird diesem Saalbesitzer "Gasthaus Zur Krone", Mickler, die Antwort nicht schuldig bleiben und in Zukunft dieses Lokal meiden. Die Versammlung wurde von einem abgetakelten Lehrer der sich sogar ein Urberacher nannte, geleitet. Zur Verstärkung hatte man ungefähr 25 Nazijüngelchen, die reinsten Milchgesichter, von auswärts herbeigezogen. Die große Mehrheit bildete die Urberacher Arbeiterschaft. Einige Nazibäuerlein fehlten natürlich nicht... Das Schlußwort des Referenten ging unter in Zwischenrufen und größter Unruhe der Versammlungsteilnehmer. Hoffentlich haben die Anhänger des 3. Reiches sowie die hierorts mit ihnen Liebäugelnden daraus ersehen, daß Urberach für sie kein Boden ist. An der Urberacher Arbeiterschaft liegt es, sich jetzt umso fester gegen dieses faschistische Treiben zusammenzuschließen in der einzigen und größten Arbeiterpartei, der Sozialdemokratischen Partei".
Nach dem Rücktritt des Kabinetts Brüning am 30. Mai 1932 beauftragte Hindenburg von Papen mit der Regierungsbildung. Dem Sturz Brünings waren wochenlange Verhandlungen zwischen Reichswehr, NSDAP und Vertretern der Schwerindustrie vorangegangen. Die Konservativen hofften, Hitler in ihre Politik einbinden zu können. Dafür hob von Papen das Verbot der SA auf und löste den Reichstag auf. Die Neuwahl am 31. Juli 1932 brachte den Nazis einen großen Erfolg. Sie eroberten 37,4 % der Stimmen und 230 Reichstagssitze. Neben den Nationalsozialisten hatten als bedeutende Parteien nur noch SPD, KPD, die katholischen Parteien Zentrum und BVP sowie die DNVP diese Wahl überlebt. Die Regierung Papen war im Reichstag ohne Mehrheit. Ihr wird am 12. September das Misstrauen ausgesprochen. Bei der zweiten Reichstagswahl diesen Jahres am 6. November büßen die Nationalsozialisten 2 Millionen Wähler ein und verlieren 34 Reichstagssitze. KPD und DNVP nehmen leicht zu. Die Reichstagswahl vom November brachte für Urberachs SPD den Verlust von 97 Stimmen gegenüber der Wahl vom Juli (= 20 %). Das Zentrum und die KPD gewannen deutlich dazu. Die Nationalsozialisten erreichten nur noch 10,5 %. Ludwig Rink führte das schlechte Wahlergebnis auf unzureichende Agitation zurück. Auf einer Unterbezirkskonferenz in Ober Roden im November 1932 machte er die allgemein verzweifelte Lage der Arbeiterschaft für die Gewinne der KPD verantwortlich. Er betonte, dass sich die Arbeiterschaft für die Zukunft auf gewaltige Kämpfe einzustellen habe, und dass dazu alle Kräfte zusammengefasst werden müssten. Insbesondere die Jugend müsse mehr Interesse an der Bewegung entwickeln, denn wenn man Sport treiben möchte, sei die Voraussetzung dazu, dass man auch die Zeit dazu habe. Dies sei aber nicht gegeben, wenn die Feinde der Arbeiterklasse das Heft in den Fingern hätten. In der anschließenden Diskussion wurde vor allem die "Überorganisation" kritisiert, mit der jetzt Schluss sein müsse.
Gegen Ende der Weimarer Republik intensivierten die in der Eisernen Front zusammen geschlossenen republikanisch-sozialistischen Organisationen ihre Agitation. Großkundgebungen in den Orten des Unterbezirks Ober Roden wurden gemeinsam organisiert und durchgeführt. 1000 und mehr Menschen nahmen an solchen Demonstrationen teil. Exemplarisch sei hier der Ablauf einer Kundgebung am 12. Februar 1933 beschrieben: Sonntagnachmittag 2 Uhr: Treffen aller verfügbaren Kräfte (Motorradfahrer, Radfahrer und Marschkolonnen), in Urberach Aufmarsch, Umzug und Kundgebung, anschließend geschlossen nach Ober Roden, danach bis Nieder Roden, dort wieder Umzug und Abschluss-Kundgebung um 16.30 Uhr.