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1933-1945: Die Nazi-Zeit

Streiflichter aus dem "3. Reich"

Die gesamte Durchdringung und Organisation des öffentlichen Lebens gelang den Nazis zunächst noch nicht. Als am 19. 8. 1934 in einer "Volksabstimmung" die Bürger über die Vereinigung des Amtes des Reichspräsidenten mit dem des Reichskanzlers abstimmen sollten, beteiligten sich in Urberach zwar 98,5 % der Bevölkerung, es stimmten aber 13,1 % mit Nein oder wählten ungültig. Solche Ergebnisse sollte es in den folgenden Jahren auch nicht mehr geben. Bei späteren Abstimmungen, auf die die Nazis nicht ganz verzichteten, war die Propaganda nahezu lückenlos. Einzelne Organisationen, z. B. die Feuerwehr, wurden geschlossen in Uniform zur Abstimmung geführt, diejenigen, die noch nicht gewählt hatten, wurden rechtzeitig vor Schluss der Wahllokale von SA-Männern auf die Abstimmung "hingewiesen". Selbst kleinste Kritik an den Verhältnissen oder Institutionen konnte zu Bestrafungen führen. Ludwig Rink verbüßte 1940 mehrere Monate Haft in Darmstadt wegen Wehrkraftzersetzung. Das Erzählen eines Witzes brachte Johann Georg Beckmann wegen Vergehens gegen das Heimtückegesetz vor den Kadi. Manchmal half den Beschuldigten die Tatsache, dass sich keine Zeugen für die ihnen zur Last gelegten Taten fanden. Das Absingen der "Internationale", ein Vergehen gegen die Verordnung zum Schutze von Volk und Staat, hatte z. B. kein Gast der Gastwirtschaft Kuhn in Ober-Roden gehört. Für viele SPD-Funktionäre bedeutete der Sieg der Nazis schon 1933 neben Arbeitsplatzverlust auch Verfolgung und Gefangenschaft. Politische Arbeit wurde lebensgefährlich. Nach dem missglückten Attentat vom 20. Juli 1944 wurden viele Funktionäre wiederum verhaftet. Der Urberacher Ludwig Rink und der ehemalige Urberacher Adam Lang, der jetzt in Dieburg wohnte, wurden ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Sie überlebten glücklicherweise. Als nach der Befreiung durch die Alliierten am 24./25. März 1945 demokratische Verhältnisse wieder möglich wurden, gehörten beide in ihren Heimatgemeinden und im Kreis Dieburg zu den "Männern der ersten Stunde".

Der Neuaufbau 1945/1946

In Urberach bildete sich eine provisorische Gemeindevertretung aus Sozialdemokraten und Kommunisten. Johannes Lang X. übernahm am 25. Juli 1945 als Bürgermeister die Amtsgeschäfte. Beide Maßnahmen waren von den Militärbehörden genehmigt worden. Am 27. Januar 1946, also neun Monate nach Kriegsende, fand in Urberach die erste Kommunalwahl statt. Die SPD hatte eine Liste mit zehn Kandidaten aufgestellt. Es kandidierten Aloys Georg Rink, Karl Reinhard Jans, Adam Spamer, Peter Joseph Gensert, Philipp Rebel, Adam Rickert VIII., Heinrich Schulz, Valentin Sulzmann II., Wilhelm Sulzmann und Martin Hausmann II. Die Wahlbeteiligung betrug 94 %. Von den 1.638 gültigen Stimmen entfielen auf die SPD 666, auf das Zentrum 800 und auf die KPD 168. Ungültig hatten 89 gewählt, 83 durften sich wegen ihres Engagements im "Dritten Reich" nicht beteiligen. Die Mehrheitsverhältnisse hatten sich gegenüber Weimar verändert. Die beiden Arbeiterparteien waren zusammen wieder stärker als das Zentrum. Trotzdem wurde am 25. 3. 1946 der Kandidat der neugegründeten CDU, Adam Gensert, mit 4 Stimmen des Zentrums gegen 3 Stimmen der Sozialdemokraten zum Bürgermeister gewählt, da die KPD keinen Gemeinderatssitz erhalten hatte. Sein Gegenkandidat war der vorherige Bürgermeister Johannes Lang. Damit hatte die organisierte Arbeiterbewegung zunächst die direkten Einflussmöglichkeiten auf das kommunale Geschehen verloren.

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