
Die Nazis, die vor 1933 öffentlich in Urberach fast nicht in Erscheinung traten, es sei denn mit Verstärkung aus dem Odenwald, fassten zunächst auch nach der Machtergreifung nicht Fuß, auch wenn sie sich durch spektakuläre Auftritte, z. B. Fahnenweihe in der Kirche, positiv darzustellen versuchten. Nachdem Hindenburg Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt hatte, ging die NSDAP planmäßig an die Zerschlagung der demokratischen Ordnung. Trotz brutaler Gewaltanwendung versuchte sie, jetzt im Besitz der staatlichen Machtmittel, den legalen Anschein zu wahren. Gestützt auf die Möglichkeit der Notverordnungen, wurde nach dem Reichtstagsbrand am 27. Februar zunächst die KPD verboten und ihre Führer verhaftet. Die Reichstagswahlen vom 5. März brachten den Nazis trotzdem nicht die erhoffte große Zustimmung in der Bevölkerung. Im Reich erreichten sie 44 % der Stimmen, in Hessen 47,5 %. Urberachs Parteienstruktur blieb stabil. Die KPD bekam trotz Verbot noch 15,4 %; die SPD 26,9 %; das Zentrum 40,9 %; die Nationalsozialisten konnten ihren Anteil auf 16,5 % vergrößern. Am Tag nach der Wahl verschärfte sich der Terror.
Durch die Ernennung eines Reichskommissars für die Polizeigewalt in Hessen und die Entlassung der als unzuverlässig eingestuften Polizeioffiziere wurden zunächst die administrativen Voraussetzungen für die Zerschlagung der Opposition geschaffen. Am 7. März wies das Landespolizeiamt die Kreisämter an, "bei den Organisationen der SPD, des Reichsbanners und der entsprechenden Verbände Durchsuchungen mit allem Nachdruck durchzuführen". Eine Woche später, am 14. 3. 1933, einen Tag nachdem NSDAP, DNVP, DVP und das Zentrum einen Nationalsozialisten zum Hessischen Staatspräsidenten gewählt hatten, meldete die Landesgendarmerie-Station Ober Roden an das Kreisamt, dass sie bei folgenden Personen Hausdurchsuchungen vorgenommen habe: Ludwig Rink, Wirtschaft Schwarz (Parteilokal), Valentin Sulzmann (Vorsitzender des Ortsvereins), Franz Sulzmann (Vorsitzender der Metall-Gewerkschaft). Beschlagnahmt wurden Bücher, Propagandamaterial, Fähnchen u. ä., außerdem im Konsum eine Schwarz-Rot-Goldene Fahne. Die Haussuchungen wurden, wahrscheinlich zum Zwecke der Einschüchterung, mehrmals wiederholt. Beim Vorsitzenden Valentin Sulzmann erschien Polizei in Begleitung von örtlichen SA-Männern insgesamt siebenmal im Abstand von vier Wochen. Dabei wurde ihm mit Einlieferung ins KZ gedroht, wenn er die Parteifahne nicht ablieferte, was er dann aber tat. Am 16. März verordnete der Staatskommissar die Auflösung der marxistischen Verbände in Hessen, darunter die Eiserne Front und das Reichsbanner. Unter diesen Vorzeichen beriet der Reichstag am 23. März 1933 das sogenannte Ermächtigungsgesetz. Nachdem die demokratische Substanz der bestehenden Organisationen gegen Ende der Weimarer Republik zusehends schwand, waren die Sozialdemokraten "die letzten Verteidiger der geschriebenen Verfassung und des längst abgedankten parlamentarischen Systems". Trotz des Terrors der Nazis und obwohl noch vor dem Reichstagsgebäude Reichstags-Abgeordnete verhaftet worden waren, stimmten die Sozialdemokraten als einzige Partei gegen die Legalisierung des sich schon deutlich abzeichnenden Staatsterrors. In der Folge wurden alle Organisationen der Arbeiterbewegung verboten, neben der Partei die Sport- und Musikvereine, die Naturfreunde und ähnliche. Ihre Vermögen wurde eingezogen, soweit die Funktionäre die vorhandenen Werte nicht schon beseitigt hatten. Die bürokratische Abwicklung des Vermögenseinzugs zog sich bis in das Jahr 1935 hin. Im Kreis Dieburg konnten nur 1.703 RM sichergestellt werden, davon allerdings 1.223 RM des Volkshausbauvereins in Urberach, der im April 1929 gegründet worden war und in dem alle Arbeitervereine, Gewerkschaften und Arbeiterparteien vertreten waren. Die Arbeiterorganisationen am Ort hatten sich schon im April 1933 selbst aufgelöst, und das Vermögen seit dem 5. März verteilt, wie ihre Führer, Michael Schrod für das Ortskartell und Martin Grosch für die SAJ, bei polizeilichen Vernehmungen zu Protokoll gaben. Führer und Mitglieder der SPD wie anderer Arbeiterorganisationen waren in der folgenden Zeit vielerlei Repressalien ausgesetzt. Unter Polizeiaufsicht standen Ludwig Rink, Franz Sulzmann, Karl Reinhard Jans, Valentin Sulzmann und Michael Frank. Sie mussten sich zweimal täglich auf der Polizeidienststelle melden. Einfache Mitglieder der Partei waren zum Teil ebenfalls verpflichtet, sich einmal täglich zu melden. Im November 1933 fiel diese Meldepflicht für die Mitglieder weg. Parallel dazu wurden die Funktionäre nun im Amtsgericht Dieburg in Schutzhaft genommen und anschließend in das KZ-Außenlager Osthofen gebracht. Darunter befanden sich aus Urberach: Adam Röhrig, Adam Seib VI, Peter Lötz II, Karl Reinhard Jans, Philipp Rebel, Ludwig Rink und Franz Sulzmann. Dies war eine der Maßnahmen, die noch den letzten Widerstand der Bevölkerung brechen sollten. Am 12. November 1933 fanden nämlich "Reichstagswahlen" statt, um, wie es der Reichspräsident in seiner Verordnung vom 14. Oktober ausdrückte, "dem deutschen Volk Gelegenheit zu bieten, ... seiner Verbundenheit mit der Reichsregierung Ausdruck zu geben". Trotz massiver Propaganda wählten reichsweit 3,4 Millionen Deutsche ungültig. In Urberach waren es 207 Wähler (= 12 %).
Die Gleichschaltung der Gemeinden wurde mit der Verordnung zur Sicherung der Verwaltung der Gemeinden vom 30. März 1933 eingeleitet, die es erlaubte, missliebige Bürgermeister zu suspendieren. Aufgrund dieser Verordnung wurde der bisherige Bürgermeister Wagner am 8. April durch den Hessischen Innenminister seines Amtes enthoben und an seiner Stelle Peter Ignaz Herdt eingesetzt. Der Beigeordnete Valentin Reiß III. legte sein Amt am 9. Mai nieder. Seine Stelle übernahm der Ortsgruppenleiter der NSDAP, Paul Esser. Der Gemeinderat Urberachs wurde aufgelöst. An seine Stelle sollte ein Gemeinderat treten, der nach dem Ergebnis der Reichstagswahl vom 5. März zusammengesetzt sein sollte. Dazu reichten die Parteien am Ort, die SPD, das Zentrum und die NSDAP im April 1933 Wahlvorschläge ein. Auf dem Wahlvorschlag der SPD standen die Namen: Aloys Georg Rink (=Ludwig), Valentin Sulzmann II., Franz Sulzmann, Michael Schrod, Peter Joseph Gensert, Erwin Müller, Heinrich Rink und Peter Groh XII. Doch schon am 14. Mai zogen die Sozialdemokraten ihre gesamte Liste wieder zurück. Ebenso verfuhren auch die Zentrumskandidaten, worauf der Wahlausschuss die freien Plätze im Gemeinderat der NSDAP übertrug. Diese jedoch hatte Schwierigkeiten, die zwölf Sitze zu besetzen. Wie Bürgermeister Herdt am 26. Februar 1934 dem Kreisamt mitteilte, mangelte es der NSDAP an geeigneten Leuten für den Gemeinderat. Trotzdem wurde der Bürgermeister für die nicht rechtzeitige Bildung des Gemeinderats mit einer Ordnungsstrafe von 10 RM belegt. Der Gemeinderat hatte allerdings keine Befugnisse mehr, da die gesamte Verwaltung nach dem Führerprinzip ausgerichtet wurde, d. h. der Bürgermeister entschied alles, er konnte die Gemeinderäte aber anhören. Die Wählerlisten von 1946 lassen abschätzen, wie stark die NSDAP 1933 tatsächlich war. 1946 lebten in Urberach noch zwei Mitglieder der NSDAP, die vor 1933 eingetreten waren. Von den 1933 eingetretenen waren es noch 53. Insgesamt waren 139 Wähler 1946 Mitglied in der NSDAP oder verwandter Organisationen gewesen. Das heißt, der größte Teil der Mitglieder trat erst nach der Machtergreifung in die Partei ein, was auch ihre Schwierigkeiten bei der Besetzung des Gemeinderats erklärte.

Die gesamte Durchdringung und Organisation des öffentlichen Lebens gelang den Nazis zunächst noch nicht. Als am 19. 8. 1934 in einer "Volksabstimmung" die Bürger über die Vereinigung des Amtes des Reichspräsidenten mit dem des Reichskanzlers abstimmen sollten, beteiligten sich in Urberach zwar 98,5 % der Bevölkerung, es stimmten aber 13,1 % mit Nein oder wählten ungültig. Solche Ergebnisse sollte es in den folgenden Jahren auch nicht mehr geben. Bei späteren Abstimmungen, auf die die Nazis nicht ganz verzichteten, war die Propaganda nahezu lückenlos. Einzelne Organisationen, z. B. die Feuerwehr, wurden geschlossen in Uniform zur Abstimmung geführt, diejenigen, die noch nicht gewählt hatten, wurden rechtzeitig vor Schluss der Wahllokale von SA-Männern auf die Abstimmung "hingewiesen". Selbst kleinste Kritik an den Verhältnissen oder Institutionen konnte zu Bestrafungen führen. Ludwig Rink verbüßte 1940 mehrere Monate Haft in Darmstadt wegen Wehrkraftzersetzung. Das Erzählen eines Witzes brachte Johann Georg Beckmann wegen Vergehens gegen das Heimtückegesetz vor den Kadi. Manchmal half den Beschuldigten die Tatsache, dass sich keine Zeugen für die ihnen zur Last gelegten Taten fanden. Das Absingen der "Internationale", ein Vergehen gegen die Verordnung zum Schutze von Volk und Staat, hatte z. B. kein Gast der Gastwirtschaft Kuhn in Ober-Roden gehört. Für viele SPD-Funktionäre bedeutete der Sieg der Nazis schon 1933 neben Arbeitsplatzverlust auch Verfolgung und Gefangenschaft. Politische Arbeit wurde lebensgefährlich. Nach dem missglückten Attentat vom 20. Juli 1944 wurden viele Funktionäre wiederum verhaftet. Der Urberacher Ludwig Rink und der ehemalige Urberacher Adam Lang, der jetzt in Dieburg wohnte, wurden ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Sie überlebten glücklicherweise. Als nach der Befreiung durch die Alliierten am 24./25. März 1945 demokratische Verhältnisse wieder möglich wurden, gehörten beide in ihren Heimatgemeinden und im Kreis Dieburg zu den "Männern der ersten Stunde".
In Urberach bildete sich eine provisorische Gemeindevertretung aus Sozialdemokraten und Kommunisten. Johannes Lang X. übernahm am 25. Juli 1945 als Bürgermeister die Amtsgeschäfte. Beide Maßnahmen waren von den Militärbehörden genehmigt worden. Am 27. Januar 1946, also neun Monate nach Kriegsende, fand in Urberach die erste Kommunalwahl statt. Die SPD hatte eine Liste mit zehn Kandidaten aufgestellt. Es kandidierten Aloys Georg Rink, Karl Reinhard Jans, Adam Spamer, Peter Joseph Gensert, Philipp Rebel, Adam Rickert VIII., Heinrich Schulz, Valentin Sulzmann II., Wilhelm Sulzmann und Martin Hausmann II. Die Wahlbeteiligung betrug 94 %. Von den 1.638 gültigen Stimmen entfielen auf die SPD 666, auf das Zentrum 800 und auf die KPD 168. Ungültig hatten 89 gewählt, 83 durften sich wegen ihres Engagements im "Dritten Reich" nicht beteiligen. Die Mehrheitsverhältnisse hatten sich gegenüber Weimar verändert. Die beiden Arbeiterparteien waren zusammen wieder stärker als das Zentrum. Trotzdem wurde am 25. 3. 1946 der Kandidat der neugegründeten CDU, Adam Gensert, mit 4 Stimmen des Zentrums gegen 3 Stimmen der Sozialdemokraten zum Bürgermeister gewählt, da die KPD keinen Gemeinderatssitz erhalten hatte. Sein Gegenkandidat war der vorherige Bürgermeister Johannes Lang. Damit hatte die organisierte Arbeiterbewegung zunächst die direkten Einflussmöglichkeiten auf das kommunale Geschehen verloren.